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Funktionsstörungen & CMD


Funktionsstörungen und CMD  Zahnarzt Münster

Fast 70 Prozent aller chronischen Kopfschmerzen sind auf Funktionsstörungen u. a. der Kaufunktion, der Kiefergelenke oder der Kaumuskulatur zurückzuführen. Die Begriffe Myoarthropathie oder kurz MAP, Craniomandibuläre Dysfunktion oder kurz CMD und Costen-Syndrom beschreiben einen komplizierten, verbreiteten Problemkomplex.


Störungen der harmonischen Funktion der Wirbelsäule, der Kiefergelenke und der beteiligten Bänder und Muskeln, der Okklusion und Artikulation der Zähne können zu Kopfschmerzen, unklaren Kiefer-, Gesichts- und Zahnschmerzen, Schwindel und manchmal Tinnitus führen.

CMD behandeln wir seit über 25 Jahren in einem Team mit anderen Spezialisten. In manchen Fällen helfen funktionsanalytische und funktionstherapeutische Maßnahmen wie Aufbissschienen alleine, sehr häufig liegen die Ursachen und damit der Schlüssel zu einer erfolgreichen Therapie aber im Bereich des Beckens und der Wirbelsäule (siehe Schienen, instrumentelle Funktionsanalyse, klinische Funktionsanalyse, Bruxismus.)

Falsche Bissverhältnisse, zu hohe Füllungen oder nicht passende Kronen oder Brücken können weitreichende Folgen haben. Angefangen mit Kopfschmerzen, chronischen Verspannungen und Schlafstörungen bis hin zu Bluthochdruck und Herzrhythmusstörungen.

Eine genaue klinische Funktionsanalyse und gegebenenfalls weitere instrumentelle Funktionsanalysen sind für die Diagnose und Behandlung beim Zahnarzt notwendig. Die Therapie erfolgt meist mittels einer Kombination aus Osteopathie, Akkupunktur, Physiotherapie und zahnärztlichen individuell vermessenen weichen und harten Aufbissschienen, mit denen die Haltung des Kopfes, der Kiefer und der Kiefergelenke in verschiedene Dimensionen beeinflusst werden kann.

Funktionsanalytische und funktionstherapeutische Maßnahmen sind nicht im Katalog der gesetzlichen Krankenkassen und müssen deshalb privat bezahlt werden.


Diagnose:
Klinische und instrumentelle Funktionsanalyse

Klinische Funktionsanalyse

Die klinische Funktionsanalyse umfasst die Untersuchung aller relevanten Strukturen des Kauorgans und der Kopf- und Halsregion:

  • Zahnbefund
  • Analyse der Kauflächen auf auffällige Abnutzungserscheinungen
  • Muskeluntersuchung/ Palpation der Kaumuskulatur
  • Untersuchung der vorderen und hinteren Halsmuskulatur
  • Bewegungsanalyen des Unterkiefers, Schneidekantendistanz
  • Untersuchung der Kiefergelenke, Kiefergelenksknacken
  • Resilienztest
  • Sensibilitätstest
  • Unklare Gesichts-, Kopf- oder Kieferschmerzen
  • Haltungsauffälligkeiten wie Skoliose, Lordose, Asymmetrie der Wirbelsäule, Beckenschiefstand etc.


Unsere Muskeln sind im Normalzustand nicht druckempfindlich oder schmerzhaft. Erst durch chronische oder akute Überlastung kommt es zu Sauerstoffdefiziten in den Muskelfasern, zu Verhärtungen, Myogelosen und sogar zu strukturellen Veränderungen. Die Muskeln werden dicker, härter und schmerzhaft. Unklare Kiefer- und Gesichtsschmerzen, ausstrahlende unklare und oft wandernde Zahnschmerzen können vom Bereich der Kaumuskulatur, der Halswirbelsäule, Brustwirbelsäule oder der Kiefergelenke ausgehen.

Durch die klinische Funktionsanalyse und manuelle Untersuchung lassen sich wichtige Rückschlüsse auf Art und Ursache einer Funktionsstörung führen. Die Begriffe Myoarthropathie oder kurz MAP, craniomandibuläre Dysfunktion oder kurz CMD, Costensyndrom u.a. beschreiben hier ein sehr variables Krankheitsbild.

Instrumentelle Funktionsanalyse

Die instrumentelle Funktionsanalyse umfasst Analysemethoden mittels spezieller Geräte und Instrumente wie Gesichtsbogen, Bissregistrierung, Gelenkbahnaufzeichnung, Axiographie usw. Mit Hilfe der instrumentellen Funktionsanalyse kann der Zahnarzt die individuelle Funktion der Kiefergelenke und der einzelnen Komponenten des Kauorganes erfassen.

Es lassen sich aber auch Erkrankungen der Kiefergelenke, des Discus artikularis, der Bissverhältnisse und mögliche Störungen in der Okklusion und Artikulation erkennen. Wir setzen die instrumentelle Funktionsanalyse sowohl für die Optimierung und Individualisierung von neuem Zahnersatz als auch bei der Behandlung von Funktionsstörungen routinemäßig ein.


Gesichtsbogen

Mit einem Gesichtsbogen werden die Position der Kiefergelenke und die Lage des Oberkiefers in Relation zum Schädel erfasst. Hierbei lassen sich Asymmetrien und Auffälligkeiten wie Verschiebungen oder Neigung der Kauebene erkennen. Der Zahnarzt kann die Position und das funktionelle Rotationszentrum der Kiefergelenke genau bestimmen und weiter verarbeiten.

Mit Hilfe eines Übertragungsbogens werden die gewonnenen Daten auf einen Bewegungssimulator, einen sogenannten Artikulator im Labor übertragen. Gesichtsbögen unterteilen wir in arbiträre und kinematische Gesichtsbögen, der Unterschied ist eher gering.


Registrate

Mit Bissregistraten wird vom Zahnarzt die exakte Position des Unterkiefers zum Oberkiefer ermittelt. Einfache Quetschbissregistrate erfassen nur die Position die der Patient gewohnheitsmäßig einnimmt, egal ob diese funktionell korrekt oder z.B. falsch und traumatisch ist. Sehr viele funktionelle Erkrankungen des Kauorganes sind Folge eines falschen Bisses.

Mit einem Zentrikregistrat ermittelt der Zahnarzt die Lage des Unterkiefers bei Neutrallage der Kiefergelenke. Diese neutrale oder zentrische Position der Kiefergelenke soll im Idealfall mit der natürlichen Bisslage und Verzahnung der Zähne übereinstimmen. Häufig gibt es aber Abweichungen, d.h. der optimale Biss wird erst durch Verschieben des Unterkiefers nach vorne und/ oder zur Seite erreicht. Bei jedem Zubeißen kommt es dabei zu einer exzentrischen Belastung im Gelenk, was auf die Dauer zu Schäden im Gelenkknorpel und zu Knacken und Schmerzen führen kann.

Mit Protrusionsregistraten werden Bewegungen des Unterkiefers ermittelt, um Informationen über die Funktion des Unterkiefers bei Bewegungen zu ermitteln. Für die Gnathologie die sich mit der exakten Funktion des Kauvorgangs auch im zehntel Millimeterbereich beschäftigt, sind Gesichtsbögen, Registrate und adjustiertbare Artikulatoren ein unverzichtbares Muss.


Artikulatoren

Artikulatoren sind Bewegungs- und Funktionssimulatoren im zahntechnischen Labor und in der Zahnarztpraxis. Es gibt eine große Bandbreite von Artikulatoren, beginnend mit vergleichsweise einfachen die nur grob die auf- und zu-Bewegungen des Unterkiefers nachahmen können, bis hin zu hochkomplexen halbindividuellen und individuellen Artikulatoren, die praktische die gesamte Kaufunktion darstellen und simulieren können. Die Artikulatoren müssen durch Registrate vom Zahnarzt adjustiert werden, erst dadurch erhält ein Artikulator seinen Sinn.


Axiographie

Axiographie nennt man die Aufzeichnung des genauen Bewegungsmusters der Kiefergelenke. Die Axiographie ist hoch kompliziert und wird eingesetzt zur Analyse von Kiefergelenkserkrankungen oder für die Anfertigung von umfangreichem Zahnersatz.

Die Ergebnisse der Axiographie müssen anschließend in einen adjustierbaren Artikulator einprogrammiert werden. Zahnersatz sollte dann nur von einem erfahrenen spezialisierten zahntechnischen Labor hergestellt werden.


Schienentherapie

Aufbissschienen sind ein wichtiges Behandlungsmittel bei der Therapie von Funktionsstörungen und dysfunktionellen Erkrankungen des Kauorganes. Diese werden unter den Begriffen Myoarthropathie (MAP), Craniomandibuläre Dysfunktion (CMD), Temporomandibuläre Dysfunktion (TMD) oder Costen-Syndrom zusammengefasst. Für eine indikationsgerechte Schienentherapie ist eine exakte Diagnose der Funktionsstörung notwendig. Sehr oft ist hierbei die Zusammenarbeit von Physiotherapeuten, Osteopathen und spezialisierten Ärzten und Zahnärzten notwendig. Funktionsstörungen im Kopf- und Halsbereich beginnen häufig bereits mit funktionellen Problemen durch Beckenschiefstand oder Wirbelsäulenprobleme und damit weit entfernt vom Ort der beklagten Schmerzen.

Der Zahnarzt muss die Ursachen für eine bestehende Funktionsstörung mit Hilfe der Anamnese sowie der klinischen und instrumentellen Funktionsanalyse erkennen und die jeweils passende Schienentherapie auswählen.

Viele Probleme wie unklare Gesichtsschmerzen, untypische Kieferschmerzen oder Tinnitus können ursächlich von den oberen Halswirbeln ausgehen. In diesen Fällen können dicke Stabilisierungsschienen oder dicke weiche Aufbissschienen die Muskulatur entspannen, die Haltung des Kopfes und die Stellung der Kopfgelenke beeinflussen und so die Probleme deutlich mindern oder heilen.

Bei reinen Muskelschmerzen sind weiche Schienen im Sinne einer Erste-Hilfe-Schiene indiziert. Der Erfolg sollte sich innerhalb von ein oder zwei Tagen einstellen.

Zentrikschiene

Am häufigsten wird bei Funktionsstörungen wie CMD oder MAP eine Zentrikschiene oder Stabilisierungsschiene eingesetzt. Synonyme sind Michiganschiene, Äquilibrierungsschiene oder Stabilisation Splint.

Die Funktion einer Zentrikschiene besteht in einer sogenannten Selbstzentrierung der Kiefergelenke, die über ein zentrisches Registrat erreicht wird. Durch die Herstellung einer physiologischen, entlasteten Gelenkposition wird eine neuromuskuläre Entspannung erreicht. Die Schienen sollen mit einer flachen Oberfläche die Höckerspitzen des Gegenkiefers fassen und eine Front-Eckzahnführung soll exzentrische Vorkontakte vermeiden.

Zentrische Schienen werden in unserer Praxis meist im Oberkiefer angefertigt, da mit Unterkieferschienen eine Front-Eckzahnführung oft nur schwer herzustellen ist.

Repositionsschiene, Protrusionsschiene

Die Repositionsschiene oder Protrusionsschiene wird bei einer Verlagerung der Knorpelscheibe im Kiefergelenk, dem sogenannten discus articularis, eingesetzt. Hierbei unterscheiden wir die partielle Diskusverlagerung mit Reposition und die totale Diskusverlagerung mit und ohne Reposition.

Die Repositionsschienen müssen über 2 bis 3 Monate 24 Stunden am Tag getragen werden und halten den Unterkiefer in einer mehr oder weniger weit vorgeschobenen Position, um die meistens vorverlagerte Knorpelscheibe dauerhaft wieder einzufangen, d.h. zu reponieren. Der Nutzen wird wissenschaftlich kontrovers diskutiert. Der Erfolg ist auch altersabhängig.

Distraktionsschiene

Die Distraktionsschiene wird bei Diskusverlagerung eingesetzt und bei Gelenkschmerzen, die durch Reibung von Gelenkkopf und Gelenkpfanne bei Verlust der Knorpelschichten entstehen. Durch die Distraktionsschiene wird das erkrankte Gelenk entlastet, die Schmerzen sollten umgehend verschwinden. Die Distraktionsschiene ist keine Dauerlösung.

DIR Schiene

Die DIR Schiene ist eine nach vorheriger Vermessung angefertigte Unterkiefer Schiene, welche die Frontzähne nicht umfasst. Dadurch besteht bei längerem Tragen die Gefahr der Elongation dieser Zähne, der Biss passt u.U. anschließend nicht mehr. Die DIR Schiene ist vergleichsweise sehr teuer. Es gibt keine ausreichenden evidenzbasierten universitären Studienergebnisse.

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